Wiener Zoologe sammelt seit 2021 Tschik-Stummel: Was ihn daran traurig macht

Wiener Zoologe sammelt seit 2021 Tschik-Stummel: Was ihn daran traurig macht

Die Zahl klingt nach Erfolg, doch für Kantner ist sie vor allem eines: traurig. Er sieht in jedem einzelnen Stummel ein Stück Plastikmüll, das Giftstoffe in die Umwelt trägt.
Als Tschik-Sammler in Wien ist der 43-Jährige mittlerweile bekannt. Seine Sammelrunden führen ihn regelmäßig durch den 22. Bezirk, wo er in kurzer Zeit erstaunliche Mengen an weggeworfenen Filtern findet.
100.000 Stummel als Bilanz eines Mannes
Seit dem 10. August 2021 zieht Kantner ein- bis zweimal pro Woche los, jeweils für etwa 20 bis 40 Minuten. In dieser kurzen Zeit sammelt er oft bis zu 600 Stummel pro Runde. Über die Jahre hat sich daraus die Marke von rund 100.000 Stück ergeben.
Die Orte, an denen er fündig wird, liegen vor allem in seinem eigenen Grätzel: Am langen Felde, die Haberergasse, die Kraygasse und die Umgebung des Kagraner Platzes gehören zu seinen festen Routen. Kantner zieht daraus keinen Stolz, sondern eine nüchterne Erkenntnis über das Ausmaß des Problems.
Der Weg zum Tschik-Sammler
Schon während seiner Zeit als Raucher habe er nie einen Stummel einfach auf den Boden geworfen, erklärt er. Diese Haltung hat sich mit dem Rauchstopp nicht verändert, sondern ist zur Grundlage seiner heutigen Sammelaktionen geworden.
Die Filter von Zigaretten setzen sich größtenteils aus Celluloseacetat zusammen – einem Kunststoff, welcher sich nach Kantners Aussage keinesfalls biologisch komplett auflöst, sondern lediglich in winziges Mikroplastik zerfällt.
Die Entscheidung, die aus einem Spaziergang eine Mission machte
Was als gelegentliches Aufsammeln begann, wurde zu einer festen Routine mit klarer Botschaft. Kantner weist darauf hin, dass Filter Nikotin, Arsen und Schwermetalle enthalten, die bei Regen in Böden und Gewässer gespült werden. Für ihn ist jede Sammelrunde damit auch ein kleiner Beitrag gegen diese Verschmutzung.
Die immer gleichen Bezirksstraßen, auf denen er fündig wird, zeigen ihm dabei, wie konstant das Problem bleibt. Trotz der hohen Stückzahl, die er bereits entfernt hat, füllen sich die Gehsteige seiner Nachbarschaft immer wieder aufs Neue.
Kantners Mindset: Sammeln reicht ihm nicht
- Er fordert ein EU-weites Pfandsystem, bei dem beim Kauf einer Packung ein Pfand erhoben und bei Rückgabe der Stummel erstattet wird.
Für Kantner ist das eigene Sammeln nur ein Ausgleich, keine Lösung. Aus diesem Grund plädiert er für eine europaweite Pfandregelung für Tabakreste: Konsumenten müssten beim Erwerb einer Schachtel eine zusätzliche Gebühr entrichten, die ihnen bei der ordnungsgemäßen Retournierung der Filter wieder ausgezahlt wird. Ein solches System, so seine Überlegung, würde den Anreiz schaffen, Filter nicht mehr achtlos fallen zu lassen.
Was als Nächstes für den Tschik-Sammler ansteht
Kantner will seine Sammelaktionen fortsetzen und gleichzeitig weiter für das Pfandsystem werben. Die gesammelten Stummel versteht er dabei weniger als Erfolgsmeldung, sondern als Beleg für ein Problem, das politische Antworten braucht.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.







