Thomas Huber: Die Rettung am Laila Peak, die er nicht mehr schaffte

Thomas Huber: Die Rettung am Laila Peak, die er nicht mehr schaffte

Als der Hubschrauber am Laila Peak landete, wusste Thomas Huber bereits, dass die Zeit nicht gereicht hatte. Der 59 Jahre alte Extrembergsteiger erzählte bei einer Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung im Münchner Venue Backstage vor voll besetztem Saal, wie er und zwei Begleiter aus den USA zur verunglückten Bergsteigerin und Olympiasiegerin Laura Dahlmeier geflogen wurden – und sie tot vorfanden.
Huber steht für Erstbesteigungen im Karakorum
Wofür Thomas Huber bekannt ist
Thomas Huber gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten deutschen Extrembergsteigern. Er hat Erstbesteigungen im Karakorum unternommen und schwierige Wände im Yosemite Valley geklettert. 2025 war er mit einer Expedition am 7.145 Meter hohen Latok I im Choktoi-Tal unterwegs, als ihn nach fünf Tagen im Basislager die Nachricht vom Unglück Dahlmeiers am nahen Laila Peak erreichte.
Dahlmeier war zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alt, zweifache Olympiasiegerin und siebenfache Weltmeisterin im Biathlon sowie staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin. Sie wurde am Laila Peak, der 6.069 Meter hoch ist, in etwa 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag am Kopf getroffen. Kurz zuvor hatte sie erfolgreich den 6.287 Meter hohen Great Trango Tower bestiegen.
Wie der Einsatz am Berg ablief
Huber kannte Dahlmeier vom gemeinsamen Klettern und aus dem sozialen Umfeld der Bergsteigerszene. Als die Nachricht vom Unfall kam, holte ihn ein Hubschrauber zusammen mit zwei Begleitern zum Laila Peak, um Dahlmeier zu retten. Bei der Ankunft stellte die Gruppe fest, dass sie bereits tot war.
Huber beschrieb seine Reaktion auf die Nachricht als unmittelbares Weinen, weil er gewusst habe, dass sie zu spät kommen würden. Ihr Leichnam wurde nicht geborgen – Dahlmeier selbst hatte verfügt, dass im Todesfall keine Bergung erfolgen solle, falls sich Helfer dabei in Gefahr begeben müssten.
Ihr Vater Andreas Dahlmeier äußerte sich später dazu, dass eine Bergung nicht möglich gewesen sei, obwohl die Familie sie sich gewünscht hätte. Er sehe es aber positiv, dass seine Tochter in den Bergen Ruhe gefunden habe, wo sie glücklich gewesen sei.
Die Entscheidung, die seine Trauer verarbeitete
Nach dem gescheiterten Rettungsversuch entschied sich Huber mit seinen Begleitern, nicht sofort abzureisen. Stattdessen bestiegen sie einen namenlosen Berg im Choktoi-Tal, über 6.000 Meter hoch, eine spitze Felszinne ohne Namen. Diese Tour sollte helfen, mit Trauer und Grenzerfahrung umzugehen.
Huber beschrieb die Besteigung als extrem wildes Abenteuer und erklärte, die Gruppe habe einen Gipfel erreicht, an dem zuvor noch niemand gestanden habe. Für ihn war das offenbar eine Möglichkeit, dem Verlust an Ort und Stelle zu begegnen, statt ihn erst zu Hause zu verarbeiten.
Was das Mindset im Alltag ausmacht
Dass Huber auch nach Jahrzehnten am Berg noch Grenzerfahrungen sucht, zeigt sich an seiner Bilanz am Latok I: Bei sieben Expeditionen auf den Berg hat er den Gipfel kein einziges Mal erreicht. Scheitern gehört für ihn offenbar zum Geschäft, ohne die Motivation zu brechen.
- Seit Jahrzehnten im Extrembergsteigen aktiv
- Sieben erfolglose Expeditionen an den Latok I
- Teilnahme am gescheiterten Rettungseinsatz für Laura Dahlmeier 2025
- Besteigung eines unbenannten 6000er-Gipfels nach dem Unglück
Zum Gedenken an Dahlmeier hat die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen ihren Kurpark in Laura-Dahlmeier-Park umbenannt. Der Deutsche Ski-Verband kündigte zudem einen Laura-Dahlmeier-Preis an, der laut DSV-Vorstand Stefan Schwarzbach künftig an herausragende Nachwuchsathleten in allen Disziplinen vergeben werden soll.







