Alex Culvin: Warum die FIFPRO-Vertreterin vor einer Austrittswelle im Frauenfußball warnt

Alex Culvin: Warum die FIFPRO-Vertreterin vor einer Austrittswelle im Frauenfußball warnt

Fast jede zweite Fußballerin erwägt ein vorzeitiges Karriereende: 49 % der 791 befragten Spielerinnen aus 40 Ländern gaben das in einer Umfrage der Spielergewerkschaft FIFPRO an. Finanzielle Gründe nennen dabei 59 % der Spielerinnen, psychischen Stress 46 %. Für FIFPRO-Vertreterin Alex Culvin ist das Ergebnis Beleg dafür, dass der wirtschaftliche Aufschwung im Frauenfußball nicht bei allen Spielerinnen ankommt.
Culvin kritisiert, dass Fortschritte und finanzielle Vorteile im Weltfußball ungleich verteilt sind. Während einige Vereine gut ausgestattet sind, gebe es außerhalb dieser Strukturen regelmäßig prekäre und unsichere Arbeitsbedingungen, so die FIFPRO.
Nur acht von 30 untersuchten nationalen Ligen verfügen demnach über einen Tarifvertrag, der Arbeitsbedingungen verbindlich regelt. Weltweit haben laut der Studie 56 % der Spielerinnen überhaupt einen Arbeitsvertrag.
Fast jede zweite Spielerin denkt ans Aufhören
Die Zahlen zeigen eine Branche im Umbruch: Das durchschnittliche, inflationsbereinigte Monatsgehalt bei Vereinen hat sich seit 2017 verdreifacht und liegt nun bei 2.601 US-Dollar.
Der mittlere Wert liegt mit 1.669 US-Dollar allerdings deutlich darunter, was auf starke Gehaltsunterschiede innerhalb des Sports hindeutet. In zehn osteuropäischen Ländern verdienen Fußballerinnen im Durchschnitt sogar weniger als den jeweiligen nationalen Mindestlohn.
Der Frauenfußball insgesamt wächst finanziell rasant: Die globalen Einnahmen sollen im kommenden Jahr erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschreiten. Genau dieser Widerspruch zwischen wachsendem Markt und unsicherer Lage vieler einzelner Spielerinnen prägt Culvins Position innerhalb der Gewerkschaft.
Alex Culvin macht ungleiche Fortschritte verantwortlich
Mehr als die Hälfte der befragten Spielerinnen, 57 %, berichtet von psychischen Problemen. Die Hälfte von ihnen erhält nach eigenen Angaben keine Unterstützung durch den eigenen Verein. Für Culvin und die FIFPRO ist das ein zentraler Ansatzpunkt: Die Gewerkschaft fordert obligatorische psychologische Betreuung für alle Athletinnen, unabhängig von Liga oder Vereinsgröße.
Als Vorbild dient der FIFPRO die US-amerikanische Profiliga NWSL. Dort sind Fachkräfte für psychische Gesundheit bereits bei allen Vereinen fest eingebunden, und Spielerinnen haben Anspruch auf bis zu sechs Monate Urlaub aus psychischen Gründen. Solche Standards existieren in den meisten anderen Ligen bislang nicht.
Vereine lassen Spielerinnen mit psychischen Problemen oft allein
Nicht bei allen Themen zeigt die Entwicklung in die gleiche Richtung. Der Anteil der Spielerinnen, die erwägen, den Sport wegen einer Familiengründung aufzugeben, ist seit 2017 deutlich gesunken: von damals 47 % auf aktuell 19 %. Ein Grund dafür dürfte die Einführung von Mutterschutzregelungen sein, die die FIFPRO ausgearbeitet hat und die die FIFA 2021 übernommen hat.
Diese Verbesserung zeigt aus Sicht der Gewerkschaft, dass sich strukturelle Probleme im Frauenfußball lösen lassen, wenn Regeln verbindlich gemacht werden. Genau diesen Hebel will Culvin nun auch bei Bezahlung und psychischer Gesundheit ansetzen.
FIFPRO fordert Pflichtbetreuung für Spielerinnen
Für Spielerinnen selbst bedeuten die Zahlen vor allem eines: Der sportliche und wirtschaftliche Erfolg des Frauenfußballs schützt nicht automatisch vor unsicheren Verträgen oder fehlender Unterstützung im Verein. Wer in einer der acht Ligen mit Tarifvertrag spielt, hat bereits deutlich bessere Absicherung als Spielerinnen in den übrigen 22 untersuchten Ligen.
Die FIFPRO will mit ihren Forderungen nach psychologischer Pflichtbetreuung und einheitlichen Standards genau diese Lücke schließen. Ob Verbände und Vereine die Vorschläge der Gewerkschaft übernehmen, entscheidet sich in den kommenden Verhandlungen über Tarifverträge in den einzelnen Ligen.







