Tanja Wehsely: Warum die Volkshilfe-Chefin bei der Männerberatung nicht sparen will

Tanja Wehsely: Warum die Volkshilfe-Chefin bei der Männerberatung nicht sparen will

Die Einrichtung steuert bis Jahresende 2026 auf mehr als 5.000 Beratungen zu, einen neuen Höchststand. Wehsely warnt davor, ausgerechnet hier den Sparstift anzusetzen.
Der Zulauf fällt in eine Zeit, in der Gewalt gegen Frauen in Österreich weiter ein großes Problem ist: Seit Jahresbeginn 2026 wurden landesweit 19 Femizide registriert. Vor diesem Hintergrund argumentiert Wehsely, dass Prävention bei Männern und Jungen ansetzen muss, bevor es zur Eskalation kommt.
Wofür Tanja Wehsely mit der Männerberatung steht
Für Wehsely ist die Arbeit mit Männern kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Hebel im Kampf gegen Gewalt. Sie begründet den wachsenden Zuspruch zu VIDO damit, dass Männer und Jugendliche zunehmend bereit sind, Unterstützung anzunehmen und offen über ihre Probleme zu sprechen. Genau darin sieht sie den Erfolg der Einrichtung: Wer sich meldet, bevor eine Situation eskaliert, kann Gewalt verhindern, statt sie nur zu bearbeiten.
Wie ist der Zulauf bei VIDO entstanden?
Die Zahlen hinter dem Rekord zeigen eine klare Entwicklung. Beim Journaldienst der Einrichtung gingen zuletzt monatlich rund 30 Anrufe ein, im Vorjahr waren es noch etwa 20. VIDO richtet sich dabei an eine breite Zielgruppe und deckt unterschiedliche Ausgangslagen ab.
- Angesprochen werden Jungen ab 14 Jahren ebenso wie erwachsene Männer.
- Ein Teil der Klienten kommt mit gerichtlichen Anti-Gewalt-Auflagen zu VIDO.
- Ein anderer Teil sucht freiwillig Rat zu Themen wie Beziehungen, Sexualität und Geschlechterrollen.
- Die Beratung ist laut Volkshilfe Wien kostenlos, freiwillig und vertraulich.
Warum warnt Wehsely vor dem Sparstift?
Trotz des Rekords ist VIDO derzeit noch nicht von Budgetkürzungen betroffen. Genau deshalb positioniert sich Wehsely jetzt: Sie warnt präventiv davor, bei dieser Arbeit zu sparen, und macht deutlich, dass ein Stopp oder eine Reduktion der Angebote aus ihrer Sicht schwerwiegende Konsequenzen hätte.
Ihre Argumentation setzt damit an einem Punkt an, an dem viele Sparprogramme ansetzen würden: bei sozialen Leistungen, die sich nicht unmittelbar in Zahlen für den laufenden Haushalt niederschlagen.
Die Volkshilfe Wien verknüpft diese Haltung mit ihrer grundsätzlichen Arbeit gegen Gewalt an Frauen. Dort wird Gewalt nicht nur als physischer Akt verstanden, sondern als Prozess, der mit abwertenden Sprüchen, starren Rollenbildern und dem Versuch beginnt, Macht und Kontrolle über eine andere Person auszuüben.
Erst schrittweise verschärft sich das Muster bis hin zu Einschüchterung, Isolation, finanzieller Kontrolle und physischer Aggression. Die Organisation unterstützt deshalb auch Kampagnen wie Orange the World und die 16 Tage gegen Gewalt gegen Frauen.
Was als Nächstes für VIDO ansteht
Für Wehsely ist der aktuelle Status, dass VIDO noch ohne Kürzungen arbeitet, kein Grund zur Entwarnung. Ihre Forderung bleibt, die Finanzierung der Männerberatung angesichts der steigenden Nachfrage abzusichern, statt sie infrage zu stellen.







