Gerhard Schröder: Die Putin-Freundschaft, die ihn zum umstrittensten Altkanzler macht

Gerhard Schröder: Die Putin-Freundschaft, die ihn zum umstrittensten Altkanzler macht

Gerhard Schröder hat am Mittwoch an der Geburtstagsfeier von Wladimir Putin in Moskau teilgenommen. Der 82-jährige Altkanzler war eigentlich wegen seiner Berufung in den Aufsichtsrat von Hyperglobus, einer russischen Tochter der deutschen Handelsgruppe Globus, in die Stadt gereist. Dass er zugleich bei Putins Geburtstagsfeier auftauchte, löste in Deutschland scharfe Kritik aus.
Der Auftritt reiht sich in eine jahrelange Nähe zwischen beiden Männern ein, die bis in Schröders Kanzlerschaft zurückreicht und ihn zu einer der umstrittensten Figuren der deutschen Politik gemacht hat.
Warum sorgt der Moskau-Besuch für so viel Kritik?
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt bezeichnete Schröders Besuch als Schande für Deutschland und als Verrat an Europa. Der Zeitpunkt macht die Kritik besonders scharf: Am selben Mittwoch bombardierte Russland die Ukraine nach Angaben von Wolodymyr Selenskyj mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen.
Mindestens 25 Menschen starben dabei, über 100 wurden verletzt. Selenskyj bezeichnete den Angriff als Geburtstagsgeschenk für Putin.
Nach Angaben des Kreml erfuhr Putin erst am Mittwochmorgen aus Medienberichten von Schröders Anwesenheit in Moskau und lud ihn daraufhin spontan zu sich nach Hause ein.
Wie eng ist die Verbindung zwischen Schröder und Putin?
Von 1998 bis 2005 stand Schröder als Bundeskanzler an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Ende seiner Amtszeit baute er enge wirtschaftliche Verbindungen zu russischen Staatskonzernen auf. Gemeinsam mit Putin initiierte er einst das Nord-Stream-Projekt, die Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland.
Seinen Aufsichtsratsvorsitz bei Rosneft gab er erst drei Monate nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ab, nachdem die EU ihm mit Sanktionen gedroht hatte. Seither hat er sich dennoch mehrfach mit Putin getroffen, der ihn bereits im Mai als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Gespräch brachte.
Zu den jüngsten Stationen seiner Russland-Nähe zählen:
- Berufung in den Aufsichtsrat von Hyperglobus Anfang September
- Frühere Position als Aufsichtsratsvorsitzender bei Rosneft bis 2022
- Mehrfache Treffen mit Putin seit Kriegsbeginn
- Gemeinsame Initiierung des Nord-Stream-Projekts mit Putin
Wie reagiert Schröder auf die Kritik?
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannte Schröder Deutschlands frechsten Rentner. Schröder selbst hat sich zu der Kritik bislang nicht öffentlich geäußert.



