Frank Lehmann: Warum er Motivation durch messbare Aktivierung ersetzt

Frank Lehmann: Warum er Motivation durch messbare Aktivierung ersetzt

Frank Lehmann hat sich darauf spezialisiert, ein Problem in Zahlen zu fassen, das viele Unternehmen nur spüren: schwindenden Einsatz der Belegschaft. Laut dem Gallup Engagement Index für das Jahr 2025 verrichten mehr als drei Viertel der Beschäftigten in Deutschland lediglich Dienst nach Vorschrift.
Bei einem Unternehmen auf Durchschnittsniveau bleiben laut Lehmann pro besetzter Stelle und Jahr rund 15.000 Euro an Leistungsreserven liegen. Bei einem Beispielbetrieb mit 80 Mitarbeitenden, einem Durchschnittsgehalt von 55.000 Euro und einem WI-Index von 41 rechnet er mit einem ungenutzten Potenzial von etwa 1,2 Millionen Euro im Jahr, mehr als einem Viertel der gesamten Lohnsumme.
Wofür Lehmann mit seinem Index steht
Der von Lehmann entwickelte Wertschätzungs-Intelligenz-Index soll genau zeigen, an welchen Stellen eines Unternehmens Wertschätzung fehlt und wo sie wirkt. Er unterscheidet dabei sieben Motivationsfelder und vier Rollen, die in einem Betrieb typischerweise zusammenwirken. Anders als klassische Mitarbeiterbefragungen soll der Index eine Zahl liefern, mit der sich Investitionen in Führung und Kultur rechtfertigen lassen.
Rechenbeispiel: Wie die 1,2 Millionen Euro entstehen
Die Rechnung hinter Lehmanns Beispielunternehmen lässt sich teilweise nachvollziehen: 80 Mitarbeitende multipliziert mit 55.000 Euro Durchschnittsgehalt ergeben eine Lohnsumme von 4,4 Millionen Euro. Der von Lehmann genannte WI-Index-Wert von 41 fließt zusätzlich in seine Berechnung ein und führt zu dem ausgewiesenen Potenzial von 1,2 Millionen Euro.
Der Weg über Wella und Henkel zur eigenen Beratung
Vor der Gründung seiner eigenen Beratung sammelte Lehmann Führungserfahrung bei internationalen Konzernen wie Wella und Henkel. Diese Erfahrung in großen, internationalen Strukturen prägt seinen Blick darauf, wie Führung in der Praxis tatsächlich funktioniert, abseits von Hochglanz-Leitbildern.
Die Entscheidung, Motivation von Aktivierung zu trennen
Ein Kernaspekt seiner Beratungsphilosophie ist die Entscheidung, Motivation von Aktivierung begrifflich zu trennen. Zentral für Lehmanns Ansatz ist folgende Differenzierung: Motivation sei eine Eigenschaft, die Unternehmen bei Beschäftigten voraussetzen dürfen, während Aktivierung eine Managementaufgabe darstellt, die aktiv hergestellt werden muss. Nach seiner Einschätzung reagieren Betriebe auf sinkenden Einsatz typischerweise mit Bonuszahlungen, neuen Leitbildern, Corporate Events oder Seminaren. Die Wirkung solcher punktuellen Maßnahmen hält nach seiner Erfahrung jedoch meist nur bis zum nächsten Quartal an.
Diese Beobachtung stützt sich auf fundierte psychologische und organisationale Forschung:
- Selbstbestimmung (Deci & Ryan): Echtes Engagement wächst vor allem durch autonomes Handeln, das Erleben von Kompetenz und soziale Zugehörigkeit.
- Belohnungseffekt (Metastudie): An konkrete Aufgaben geknüpfte materielle Anreize untergraben die intrinsische Motivation laut 128 Einzelstudien eher.
- Führungsstil (Bass & Avolio): Beschäftigte leisten unter transformationaler Führung nachweislich mehr, als vertraglich von ihnen verlangt wird.
- Team-Lernprozesse (Edmondson): Kollektives Lernen gelingt nur bei psychologischer Sicherheit und einer offenen Kommunikation ohne Angst vor Sanktionen.
Das Mindset im Alltag: Aktivierung wie eine Investition behandeln
Lehmann fordert, Aktivierung wie jede andere unternehmerische Investition zu behandeln, mit klaren Zielen und laufender Messung statt gutem Willen. Wertschätzung werde in den meisten Unternehmen als Haltungsfrage behandelt, nicht als steuerbare Größe. Genau dort setzt sein Index an: Er soll die spezifischen Stellen aufzeigen, an denen Leistung verloren geht, damit Maßnahmen gezielt statt pauschal ansetzen können.
Mit mehreren Beispielrechnungen versucht Lehmann, diese Logik auch für Geschäftsführungen greifbar zu machen, die mit Kennzahlen arbeiten, aber bislang kein Instrument für Wertschätzung hatten.
Was als Nächstes kommt
Für Unternehmen, die ihren eigenen Ausgangswert kennenlernen wollen, bietet Lehmanns Beratung evolution consulting einen kostenlosen WI Quick Check mit 15 Fragen an. Er soll eine erste Einschätzung liefern, bevor eine ausführlichere Analyse folgt. Damit bleibt die Richtung seiner Arbeit dieselbe: Mitarbeitermotivation nicht als Gefühl zu behandeln, sondern als Zahl, die Unternehmen genauso ernst nehmen wie Umsatz oder Kosten.







