Wer ist Georg Nagel?

Wer ist Georg Nagel?

Georg Nagel, geboren 1953, ist Professor an der Universität Würzburg. Die Auszeichnung geht zu gleichen Teilen an ihn, Peter Hegemann von der Humboldt-Universität Berlin und Karl Deisseroth von der Stanford University, für ihre Arbeiten zu Ionenkanälen, die auf Licht reagieren, und zur Begründung der Optogenetik.
Die Nobelpreisverleihung fand am 5. Oktober 2026 statt, die feierliche Übergabe aller Nobelpreise folgt traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
Wie Georg Nagel zur Optogenetik kam
Nagel erhielt 1988 seinen PhD von der Universität Frankfurt. Gemeinsam mit Hegemann, der schon in den frühen 1990er Jahren begann, die einzellige Grünalge Chlamydomonas zu untersuchen, entdeckte er zwei Gene für lichtempfindliche Proteine in deren Erbgut. Hegemann hatte zuvor festgestellt, dass die Alge binnen etwa 0,5 Millisekunden auf Licht reagiert – deutlich schneller als das menschliche Auge, das dafür mindestens 10 Millisekunden benötigt.
Um die neuen Proteine genauer zu untersuchen, injizierte Nagel die Chlamydomonas-Gene in Froscheizellen. So ließ sich zeigen, dass sich bei einem Lichtpuls ein Kanal innerhalb von 0,2 Millisekunden öffnet. Die beiden Proteine erhielten die Namen Channelrhodopsin-1 und Channelrhodopsin-2.
Das Protein Channelrhodopsin und sein Mechanismus
Channelrhodopsin sitzt an der Zelloberfläche der Grünalge. Trifft blaues Licht auf das Protein, öffnet sich ein Kanal, durch den geladene Ionen in die Zelle strömen und einen elektrischen Impuls erzeugen. 2003 veröffentlichten Hegemann und Nagel ihre Ergebnisse zu Channelrhodopsin-2 mit dem Vorschlag, das Protein als Werkzeug zur gezielten Erzeugung elektrischer Impulse einzusetzen.
Karl Deisseroth setzte diesen Ansatz fort, indem er das Erbgut für Channelrhodopsin in Nervenzellen von Ratten einbrachte und so mit blauem Licht gezielt Signale in den Zellen auslösen konnte. 2005 publizierte er diesen Durchbruch, zwei Jahre später setzte er den lichtgesteuerten Schalter erstmals im Gehirn lebender Mäuse ein.
Zahlen und Fakten zur Auszeichnung
- Georg Nagel ist 73 Jahre alt.
- Jeder der drei Preisträger erhält ein Drittel des Preisgelds.
- Das Gesamtpreisgeld beträgt zwölf Millionen schwedische Kronen, umgerechnet rund eine Million Euro.
- Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Nobelpreises angehoben.
- Seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 zählt die Liste der Medizin-Nobelpreisträger 232 Namen, 14 davon Frauen.
Die Auszeichnung wurde erstmals 1901 vergeben, damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring, der eine Therapie gegen Diphtherie entwickelt hatte. Im Vorjahr hatten Mary Brunkow und Fred Ramsdell aus den USA sowie Shimon Sakaguchi aus Japan den Preis für Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz erhalten.
Wofür Georg Nagel und die Optogenetik bekannt sind
Mit der von Nagel mitentwickelten Optogenetik lässt sich die Aktivität einzelner Nervenzellen im lebenden Gehirn gezielt an- und ausschalten. Weltweit setzen Forschungsteams das Verfahren in ihren Laboren ein, um jene neuronalen Netzwerke aufzuspüren, die hinter bestimmten Erinnerungen, Emotionen und Verhaltensmustern stehen; dem Nobelkomitee zufolge trug die Methode zudem dazu bei, das Zusammenspiel des Nervensystems mit Zellen anderer Organe wie Herz und Darm besser zu verstehen.
In der klinischen Medizin wird die Technik bereits erprobt, um Menschen mit Sehbehinderungen das Sehvermögen zurückzugeben: Dabei wird Patienten, die ihre Fotorezeptoren in der Netzhaut verloren haben, ein lichtempfindliches Protein in gesunde Zellen der Netzhaut eingesetzt. Fachleute sehen zudem Potenzial, mit der Methode Cochlea-Implantate zu verbessern und den Hörnerv präziser zu stimulieren als mit heutigen elektrischen Geräten.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.







