Christian Wehrschütz: Warum der ORF-Korrespondent auch mit 65 keine Angst kennt

Christian Wehrschütz: Warum der ORF-Korrespondent auch mit 65 keine Angst kennt

Christian Wehrschütz feiert am 9. Oktober seinen 65. Geburtstag und beendet damit seine aktive Zeit als ORF-Korrespondent. Mehr als 25 Jahre berichtete er vom Balkan, seit über zehn Jahren zusätzlich aus der Ukraine. Sein Büro in der Ukraine übergibt er bereits Ende Oktober, zum Jahreswechsel beginnt dann sein Ruhestand.
Wofür er steht
Wehrschütz gilt als einer der dienstältesten Auslandskorrespondenten des ORF. Für seine Berichterstattung aus Kriegsgebieten erhielt er 2026 den Dr.-Karl-Renner-Solidaritätspreis, 2023 bereits das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Er selbst beschreibt sich dabei nicht als Kriegsreporter, sondern als Korrespondent am Balkan und in der Ukraine, der ebenso über kulturelle Themen wie die Oper in Odessa berichtet.
Der Weg dorthin
Geboren 1961, studierte Wehrschütz Jus und Slawistik in Graz. Von 1987 bis 1990 war er Chefredakteur der Neuen Freien Zeitung.
Seit 1991 arbeitet er für den ORF, 1999 wurde er Korrespondent in Belgrad, 2015 übernahm er zusätzlich die Ukraine-Berichterstattung. 2011 trat er als Gegenkandidat zu Alexander Wrabetz bei der Wahl des ORF-Generaldirektors an, erhielt dabei aber keine einzige Stimme.
Die prägende Haltung
2022 wurde das Hotel beschossen, in dem er in Nikopol übernachtete. Im November 2025 entging er nur knapp einem Drohnenangriff auf das Auto seines Teams. Auf solche Situationen reagiert er nach eigener Aussage nicht mit Angst, da diese für rationales Handeln ungeeignet sei.
Das Mindset im Alltag
Bei der Präsentation seines Buchs „Frontlinien“ vor vollem Haus in der Stadtbücherei erklärte Wehrschütz, den Krieg in der Ukraine als Abnützungskrieg ohne erkennbare militärische Lösung auf dem Schlachtfeld zu sehen. Die zentrale Frage sei künftig, wer den Wiederaufbau übernimmt, da mit andauerndem Konflikt weniger Menschen zurückkehren würden.
Während in Abu Dhabi Friedensverhandlungen liefen, schätzte er, dass der Konflikt ohne Einigung noch etwa ein Jahr andauern könnte – mit steigenden Opferzahlen, Zerstörungen und finanziellen Lasten für Europa. Am Balkan kennt sich Wehrschütz nach eigener Einschätzung besonders gut aus, Albanien bezeichnet er dabei als das interessanteste und zugleich unbekannteste Land, das ihm beruflich die größte Herausforderung biete.
Was als Nächstes kommt
Sein Engagement in der Ukraine endet mit Ende Oktober, mit dem Jahreswechsel verabschiedet sich Wehrschütz endgültig aus dem aktiven Berufsleben. Für die Zeit danach plant er, in die Steiermark zu reisen – seine Heimat und, wie er selbst sagt, sein Lieblingsland.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.







