Kanada feiert erneut einen Nobelpreis: Was Anne Carsons Werk so besonders macht

Kanada feiert erneut einen Nobelpreis: Was Anne Carsons Werk so besonders macht

Die kanadische Autorin Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis 2026. Carson wurde in Island telefonisch über die Auszeichnung informiert.
Wofür sie steht
Carson gilt als Autorin, die sich keiner einzigen Gattung zuordnen lässt. In ihrem Werk verschwimmen die Grenzen zwischen Poesie, Prosa und Essayistik. Laut Begründung der Schwedischen Akademie zeichnet sich ihr Gesamtwerk durch Mut und Erfindungsreichtum aus, mit dem sie im Austausch mit antiken Vorbildern eigenständige Ausdrucksformen für die heutige Literatur entwickelt hat.
Bereits 2001 erhielt Carson als erste Frau den T. S. Eliot Prize für ihr Werk „The Beauty of the Husband“. Hinzu kamen eine Guggenheim Fellowship und eine MacArthur Fellowship.
Der Weg dorthin
Geboren wurde Carson 1950 in Toronto. Nach ihrer Promotion in Altertumswissenschaften unterrichtete sie klassische Philologie an verschiedenen Hochschulen in Kanada und den USA. Aus dieser wissenschaftlichen Ausbildung entwickelte sich ein literarisches Werk, das Philologie, Lyrik, Essay, Übersetzung, Erzählung und Drama miteinander verbindet.
Die prägende Entscheidung
Statt sich auf ein Genre festzulegen, übersetzte Carson antike Texte und schrieb zugleich eigene, experimentelle Werke. Sie übertrug Aischylos’ „Agamemnon“, Sophokles’ „Elektra“ und Euripides’ Werke ins Englische; Aufführungen davon zeigte die Classic Stage Company in New York.
2011 schrieb sie für das Projekt Sixty Six am Londoner Bush Theatre das Stück „Jude: The Goat at Midnight“, das auf dem biblischen Judasbrief beruht. Diese Verbindung von Antike und Gegenwart zieht sich durch ihr gesamtes Schaffen.
Das Mindset im Alltag
Carsons bekannteste Bücher zeigen, wie konsequent sie Formen mischt. 1998 erschien „Autobiography of Red“, eine Neuerzählung des griechischen Mythos von Geryon in Versform. 2010 folgte das experimentelle Werk „Nox“, das sich mit dem Leben und Tod ihres Bruders auseinandersetzt.
2017 inszenierte der Künstler Ragnar Kjartansson ihren Text „Raw Salon“ an der Berliner Volksbühne in abendfüllender Länge – ein Beleg dafür, wie sehr ihr Werk auch über die Literatur hinaus wirkt.
Was als Nächstes kommt
Die Auszeichnung ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund 1,06 Millionen Euro. Die Verleihung findet am 10. Dezember 2026 in Stockholm statt, dem Todestag von Alfred Nobel. Carson ist nach Alice Munro, die 2013 ausgezeichnet wurde, die zweite Kanadierin mit einem Literaturnobelpreis; insgesamt gingen damit 29 Nobelpreise in verschiedenen Kategorien nach Kanada.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.







