Alexander Zverev: Warum ihn Kritiker nicht von der Weltranglisten-Spitze abhalten

Alexander Zverev: Warum ihn Kritiker nicht von der Weltranglisten-Spitze abhalten

Alexander Zverev wird spätestens Mitte November zur Nummer eins der Tennisweltrangliste. Der Punktabstand zum bisherigen Spitzenreiter Jannik Sinner beträgt nur noch 1.280 Punkte, nachdem Sinner sein Saisonaus wegen Knieproblemen verkündet hat.
Für Zverev wäre es die erste Nummer eins seiner Karriere und erst der zweite deutsche Fall nach Boris Becker, der 1991 zwölf Wochen an der Spitze stand. Dass der Aufstieg trotzdem umstritten ist, liegt an der Art, wie er zustande kommt.
Wofür Zverev gerade steht: zwei Grand-Slam-Titel in einer Saison
2026 gewann Zverev erstmals die French Open, sein erstes Grand-Slam-Turnier überhaupt, und legte im September den Titel bei den US Open nach. Dazwischen erreichte er das Finale von Wimbledon. Gegen die großen Rivalen blieb er dabei jedoch ohne Sieg: Im Halbfinale von Peking unterlag er Novak Djoković.
Wie schafft Zverev die Spitze, ohne Alcaraz, Sinner oder Djoković zu schlagen?
Die Antwort liegt im Punktesystem der ATP. Die Weltrangliste basiert auf einer 52-Wochen-Wertung, bei der Resultate nach genau zwölf Monaten verfallen. Sinner muss bis Jahresende 3.050 Punkte aus seiner starken Saisonendphase 2025 verteidigen, Zverev dagegen nur 980 Punkte. Im laufenden Jahresranking 2026 liegt Zverev mit 810 Punkten bereits vor Sinner.
Wie groß der Unterschied bei den anstehenden Turnieren ausfällt, zeigt ein Blick auf die zu verteidigenden Punkte:
- Masters Shanghai: Sinner 50 Punkte, Zverev 50 Punkte
- ATP 500 Wien: Sinner 500 Punkte, Zverev 330 Punkte
- Masters Paris: Sinner 1.000 Punkte, Zverev 400 Punkte
- ATP Finals Turin: Sinner 1.500 Punkte, Zverev 200 Punkte
Schon nach dem Wiener Hallenturnier, das Ende Oktober über die Bühne geht und Anfang November endet, könnte sich Zverev rein rechnerisch an der Spitze wiederfinden.
Was Kritiker sagen und warum Boris Becker widerspricht
Der Tennisjournalist Scott Barclay kritisiert, dass Zverev zwei Grand Slams und die Nummer-eins-Position erreicht, ohne Alcaraz, Sinner oder Djoković geschlagen zu haben.
Kritiker führen den Aufstieg vor allem auf Verletzungen von Alcaraz und Sinner sowie auf das fortgeschrittene Alter von Djoković zurück. Auch der US-Sender ESPN griff das Thema auf: Dort äußerte John McEnroe nach Zverevs US-Open-Sieg, Alcaraz und Sinner sollten schnell wieder gesund werden.
Boris Becker verteidigt Zverev gegen diese Vorwürfe und betont, der Spieler könne nichts dafür, dass die Konkurrenz ausfällt. Zverev selbst hat die Punkte, die zur Spitze führen, mit eigenen Ergebnissen eingespielt – French Open, Wimbledon-Finale und US Open stehen für sich.
Was als Nächstes kommt
Sinner hat seine Saison wegen der anhaltenden Knieprobleme bereits beendet. Für Zverev bedeutet das: Schon ohne weiteren Titelgewinn könnte er rechnerisch an Sinner vorbeiziehen, sobald dessen Punkte aus den Erfolgen Ende 2025 verfallen.
Ob er die Spitzenposition über den Jahreswechsel hinaus hält, hängt davon ab, wie viele der selbst zu verteidigenden Punkte er bei den anstehenden Turnieren in Wien, Shanghai, Paris und bei den ATP Finals in Turin bestätigen kann.







